Ruhestand für Laila: Erfolgreiche Spürnase hört nun auf!

Laila hat den richtigen Riecher. Im wahrsten Sinne, denn die Australian Shepherd-Dame ist ein so genannter „Mantrailer“. Will heißen, als Rettungshund des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) sucht sie nach vermissten Personen, verfolgt den Geruch der Menschen. Beziehungsweise tat dies jahrelang. Denn ihr Herrchen und Hundeführer Andreas Jugel schickt die erfolgreiche Spürnase nun in den wohlverdienten Ruhestand.
Hunderte Einsätze hat Laila in ihrer sechsjährigen Laufbahn gehabt. Mit fünf Jahren fing sie an, war dann mit ihrem Herrchen in ganz Brandenburg unterwegs. „Sie war anfangs einer der einzigen Mantrailer. Wir sind quer durchs Land gefahren“, berichtet Andreas Jugel, der die Rettungshundestaffel des DRK Brandenburg an der Havel leitet.
 
Laila ist seine eigene Hündin – und als Australian Shepherd eine Rasse, die sehr ausdauernd und lebhaft ist. „Jemand sagte, sie braucht Nasenarbeit, damit sie ausgelastet ist“, erzählt ihr Hundeführer. Also bildete er sie aus und stellte rasch fest: „Sie macht sich gut im Mantrailing, hatte Spaß an der Arbeit und gefunden, was man ihr vorgegeben hat“.
Wird jemand als vermisst gemeldet, kriegt die Hündin einen Geruchsartikel der entsprechenden Person vorgelegt. „Dann muss man ihr sagen, wo die zuletzt gesehen wurden. Ab da ging es los, sie verfolgte nur noch den Geruch der vermissten Person“, so Andreas Jugel.
 
Das machte Laila so gut, dass die Polizei ganz gezielt nach ihr fragte. Weil die eigenen Spürhunde häufig nicht schafften, was die Hündin konnte. Die genauen Zahlen kennt ihr Ausbilder nicht, aber um die 50 Personen könnte sie aufgespürt haben, denkt er.
„Der spektakulärste Einsatz war wohl der Pilzsammler, den sie mitten in der Nacht gefunden hat“, erinnert er sich. Um 14 Uhr ist dieser los gelaufen und irgendwann im tiefsten Wald umgeknickt.
 
Alle Versuche der Polizei und Feuerwehr, den Mann zu finden, scheiterten. Und das, obwohl er das Blaulicht in weiter Ferne immer wieder sah. „Irgendwann wurde es dunkel und seine Hoffnung schwand langsam“, so Andreas Jugel. „Wenn du an nichts mehr glaubst, dann kommt ein Hund auf dich zu...“
„Er war so überglücklich, wollte meinen Hund unbedingt noch einmal sehen, hatte Tränen in den Augen“, schildert das stolze Herrchen und sagt: „Genau dafür macht man das.“ Und weiter: „Man merkt, dass man gebraucht wird.“
 
Jetzt jedoch hat Andreas Jugel festgestellt, dass Laila genug getan hat. Er sieht ihr an, dass ihr manches durchaus schwerer fällt. „Sie ist mein Familienhund und hat das Alter, aufzuhören“, sagt er. Anfang der Woche hat er seine Hündin daher in den Ruhestand geschickt.
 
Realisiert hat sie es noch nicht, gibt er zu. „Wenn ich meine Einsatzsachen anziehe, steht sie erwartungsvoll vor mir.“ Nun jedoch soll Laila entscheiden können, wie sie sich in ihren letzten – hoffentlich noch vielen – Lebensjahren austobt oder auch entspannt.
 
Der Mantrailer-Nachwuchs ist aber auch schon im gemeinsamen Haushalt aufgenommen. Andreas Jugel bildet nun Hündin Honey, ebenfalls ein Australian Shepherd, aus. Gemeinsam mit Flächensuchhund Neele, Hündin von Frau Janine, ist damit ein Rettungshunde-Dreamteam des DRK bei einer Familie versammelt.
 
Text: Antje Preuschoff (Meetingpoint)